Handweberei "Henni Jaensch-Zeymer" Inh. Ulla Schünemann


Inhaberin Ulla Schünemann

Die Handweberei Geltow im Spiegel der Medien

Im alten Tanzsaal klappern die Webstühle

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Im Weberei-Museum wird eine Tradition wieder belebt

Das Aktive Museum Handweberei 'Henni Jaensch-Zeymer' in Geltow bei Potsdam will nicht nur Besuchern die Geschichte eines Jahrtausende alten Handwerks näher bringen und sie bei der Arbeit zusehen lassen. Seit März kann hier jeder unter fachlicher Anleitung das Weben und Spinnen erlernen.

Der Fleiß eines Mädchens wurde einst daran gemessen, wie schnell es den Faden von der Spindel zog, und wie die Qualität seiner handgewebten Aussteuer war. Heute bietet die wohl größte deutsche Handweberei in Geltow (Potsdam-Mittelmark) Kurse an, um eine alte Tradition neu zu beleben. Im Tanzsaal eines 250-jährigen ehemaligen Gasthofes Am Wasser 19 stehen Spinnräder und elf hölzerne Webstühle. Der älteste hat schon fast 300 Jahre auf dem Buckel. 'Wir wenden uns an Anfänger und Fortgeschrittene, jeder wird individuell betreut', sagt Ulla Schünemann, die die Einrichtung seit 1997 leitet. Die Kurse finden sonnabends von 10 bis 18 Uhr, sonntags von 10 bis 16 Uhr statt.

Doch die Teilnahme will gut überlegt sein, denn sie hat ihren Preis: 290 Mark sind für ein Wochenende zu berappen. 'Anstrengend ist die Arbeit anfangs schon, körperlich und vor allem geistig. Man muss hoch konzentriert auf jeden Handgriff achten', sagt die ausgebildete Meisterin der Handweberei. Die Teilnehmer fangen klein an. 'Haben sie den ersten Läufer mit nach Hause genommen, kommen viele wieder', sagt Ulla Schünemann. Einige haben das ehrgeizige Ziel, sich selbst einmal den Traumstoff für ein Kleid zu weben. Ulla Schünemann ist mit der Nachfrage zufrieden. Auch ein Mann hat sogar schon sein Interesse angemeldet.

Seit dem vergangenen Jahr gibt es für Leinen-Liebhaber auch einen kleinen Laden mit einem umfangreichen Angebot. Hier werden selbst entworfene Sachen aus Stoffen angeboten, die die Mitarbeiter in Geltow per Hand weben. Die Kundin kann sich auch den Stoff aussuchen und in der hauseigenen Schneiderei nach Maß anfertigen lassen, was sie begehrt. Die Handarbeit hat allerdings ihren Preis: Ein Hemd kostet rund 260 Mark, ein Kleid etwa 500 Mark . 'Wer das erste Mal ein handgewebtes Stück anzieht, spürt, wie angenehm es auf der Haut ist', wirbt Ulla Schünemann. Im Gegensatz zu maschinengewebtem Leinen sei es bedeutend atmungsaktiver. Die 41-Jährige legt viel Wert auf Naturmaterial. 'Den einzigen Kompromiss, den wir machen wir färben die Leinenfäden synthetisch.' Naturfarben bleichen beim Waschen aus.

Die Hemdjacke von Clown Ferdinand wurde hier gefertigt

Ulla Schünemann möchte die Kunst des Handwebens unbedingt erhalten. Sie hat die Fertigkeiten bereits an ihre 24-jährige Tochter Bianca weitergegeben. Frau Schünemann hat das Handwerk von der Pike auf gelernt. Ihre Lehrmeisterin war Henni Jaensch-Zeymer, nach der Museum und Weberei benannt sind. Nach ihrer Ausbildung bei der Bauhausschülerin Else Mögelin kam diese 1939 nach Geltow, wo ihr Unternehmen auch zu DDR-Zeiten privat blieb und einen guten Ruf genoss. Es arbeitete auch viel für die Defa. Aus der Weberei kam die blau-weiß karierte Hemdjacke des beliebten Clowns Ferdinand ebenso wie Ponchos für Indianerfilme. Jaensch-Zeymer, die als Künstlerin auf ihrem Gebiet galt, starb 94-jährig im Juli 1998.

Nach der Wende war die Geltower Handweberei zwei Jahre lang geschlossen. 1992 wurde sie nach dem Konzept 'Aktives Museum' wieder eröffnet. Fördermittel stellten der Europäische Sozialfonds, das Land und das Arbeitsamt zur Verfügung. Jährlich werden etwa 4 000 Besucher begrüßt. 'Das sind meist ganz speziell Interessierte, die den Weg hierher finden', sagt Ulla Schünemann. Manche entdeckten das Museum auch zufällig bei Ausflügen. Um das Haus noch bekannter zu machen, will Ulla Schünemann ihre Werkstatt zum Ort der Begegnung bei Konzerten, Lesungen und Modenschauen ausgestalten.

Das 1992 gegründete Handweberei-Museum Geltow befindet sich in einem 250-jährigen ehemaligen Gasthofsgebäude in der Straße Am Wasser 19.

Die Einrichtung entstand nach dem Konzept 'Aktives Museum' mit Förderung durch den Europäischen Sozialfonds, des Landes und des Arbeitsamtes.


Artikel von Julia Schmidt zitiert nach Berliner Zeitung vom 08. 10. 1999