Handweberei "Henni Jaensch-Zeymer" Inh. Ulla Schünemann


Inhaberin Ulla Schünemann

Die Handweberei Geltow im Spiegel der Medien

Am Anfang war die 'Spinnerin'

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Handweberei und Aktives Museum 'Henni Jaensch-Zeymer' feiern 10-jähriges Bestehen

Weben heißt, zwei verschiedene Fadensysteme - Kette und Schuß - miteinander zu verknüpfen.

Das klingt nach einem sehr schlichten Prinzip, und daran hat sich in den 7000 Jahren Webereigeschichte nichts Grundsätzliches geändert.

Steht man jedoch an einem der Webstühle in der Geltower Handweberei und versucht, durch bloßes Zuschauen zu begreifen, auf welche Weise sich hier Kette und Schuss verbinden, wird einem leicht schwindelig: Das Schiffchen schießt hin und zurück, und was die Weberin da an Zügen und Pedalen mit Händen und Füßen bedient, sieht aus wie ein pantomimisches Orgelspiel. Dabei entsteht bloß "eins hoch, eins runter - eine einfache Leinwandbindung", wie die junge Weberin Katja erklärt.

Und das Weben sei auch nur ein Teil der Arbeit, den Webstuhl einzurichten sei sehr aufwendig, sagt sie und zählt auf: Die Kette wird geschärt, die Litzen auf Schäfte gezogen, Faden für Faden durch die für geführt und dann fadenweise durch das Riet (den Kamm) gezogen - eine Arbeit, für die zwei Leute eine Woche brauchen. Mittlerweile leuchtet es der Besucherin ein, warum es drei Jahre Lehrzeit braucht, Kette und Schuss miteinander zu verbinden.

Die Handweberei "Henni Jaensch-Zeymer" mit dem »aktiven Museum« feierte am Wochenende mit einem Tag der offenen Tür zehnjähriges Bestehen.
Natürlich gibt es die Handweberei schon viel länger, 1939 ließ sich die Weberin Henni Jaensch-Zeymer hier nieder, jedoch brach mit der Währungsunion 1990 die Produktion zusammen. Es kam zu Entlassungen und der Fortbestand der Weberei schien aussichtslos, bis es 1992 mit einem neuen Konzept gelang, als »aktives Museum« weiterzuarbeiten.
Ziel war, das traditionelle Kunsthandwerk zu erhalten und mit sozialen und kulturellen Anliegen zu verknüpfen. Es gab ABM-Stellen, Förderprogramme wurden genutzt, und das neue Konzept bewährte sich.

Ein Jahr nach der Eröffnung 1992 wurden bereits 2400 Besucher gezählt. Ulla Schünemann, Meisterin und seit 1987 "Chefin" der Weberei, ist froh, dass sich die Handweberei unterdessen geschäftlich konsolidiert hat. "Wir können uns allein tragen", sagt sie, "und wir tragen das Museum mit." Zur Zeit sind zwei Weberinnen beschäftigt, dazu eine Herrenmaßschneiderin und eine Diplom-Modedesignerin.

Ein Blick auf die Kleider, Röcke und Hosen im Verkaufsraum bestätigt, dass die handgewebten Kleidungsstücke eher nicht dem Vorurteil des "Handgewebten" entsprechen - da beutelt und wallt es nicht, sondern da sind klare Linien und unkonventionelle Schnitte. Die Kunden kommen aus ganz Deutschland. Es gibt Modeschauen in der Weberei, man probiert neue Muster und Farben aus und geht auf Kunsthandwerkermärkte und -messen.

Die dadurch entstehenden Kontakte zu anderen Kunsthandwerkern werden gepflegt; zum zehnjährigen Jubiläum der Weberei stellen hier mehrere ihre Arbeiten aus: Barbara Cain mit textilen Unikaten wie Decken in Quilttechnik; Helga Gräbner-Röntgen mit Schmuck; COY (Cornelia Plotzki) mit Hüten, und Joachim Noack mit Holzobjekten.

Wäre die jetzige Linie der Handweberei in Henni Jaensch-Zeymers Sinne? Ja, sagt Ulla Schünemann ohne Zögern, räumt aber ein, dass die Zeit der Wende für die damals schon betagte Weberin sehr schwierig und mit all den finanziellen Folgen nicht recht zu verstehen gewesen sei.

Doch war auch Henni Jaensch-Zeymer immer schon offen für das Neue gewesen: Sie ist bei der Bauhausschülerin Else Mögelin in die Lehre gegangen und auf die Frage, was sie denn vom Bauhaus gelernt habe, antwortete sie einmal: Die Kunst des Weglassens.

In ihrer Kunst und der Suche nach Ausdruck und einem ganzheitlichen Lebenszusammenhang war sie gewiss das, was man heute einen "Freak" nennen würde: Sie war seit 1926 Genossenschaftsmitglied in der Freiland-Siedlung Gildenhall bei Neuruppin, eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, die Verkaufsstellen unterhielt für "neuzeitliche Wohnräume".

Als das Projekt 1932 wegen der Wirtschaftskrise und Inflation scheiterte, zog Henni Jaensch nach Rangsdorf und arbeitete in einem kleinen Holzhaus, bis dieser Raum wegen ihres Erfolges zu klein wurde. Mit zwei weiteren Frauen - heute würde man sie Modedesignerinnen nennen - unterhielt sie "drei Minuten vom Kurfürstendamm" in Berlin eine "Modenwerkstatt". Ein Faltblatt in typischer Aufmachung der Dreißiger Jahre verheißt: "Mit netten Ideen wird auch Ihr unmodernes Kleid in ein neues modisches umgeändert."

Im Jahre 1939 bezog sie einen stehenden Gasthof in Geltow und gründete den "Webhof", dieser war und blieb die Stätte der Handweberei in Geltow. Zunächst war sie im Dorf die "Spinnerin", doch während des Krieges waren die Frauen recht froh, bei ihr Spinnen und Weben zu lernen.

Inzwischen hatte sie den Fotografen Werner Zeymer geheiratet, und sie machte aus dem Webhof eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, die über ihren Tod im Jahre 1998 hinaus bis in die heutige Zeit reicht: die Webereimeisterin Annemarie Schünemann zog hier ihre Tochter Ulla auf, die auf diese Weise in die Weberei hineinwuchs, und genauso ging es mit Ulla Schünemanns Tochter Bianca, die auch eine Weberlehre absolviert hat. Zur Zeit ist sie allerdings noch sehr mit dem Hoffnungsträger der vierten Webergeneration der Familie Schünemann beschäftigt, mit Johannes, fünf Monate alt.

"Es ist ein herrlicher Beruf", sagt Ulla Schünemann, "man sieht, wie das Ergebnis unter den Händen wächst, man kann mit schönem Material umgehen, mit Farben spielen ... Es ist keine stupide Arbeit, auch wenn man mal ein paar Tage 'runtermetern' muss.

Und das Interesse und Staunen der Besucher gibt immer wieder die notwendige Bestätigung. Die dürfte am Tag der offenen Tür genug gekommen sein.


Artikel von Elisabeth Richter Geltow zitiert nach Potsdamer Neueste Nachrichten vom 08. 07. 2002