Handweberei "Henni Jaensch-Zeymer" Inh. Ulla Schünemann


Inhaberin Ulla Schünemann

Die Handweberei Geltow im Spiegel der Medien

Mit Lade und Schuss

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Am sausenden Webstuhl zu Geltow

Wenn die Lade ächzt und der Schuss flottiert, dann floriert es in der Geltower Handweberei „Henni Jaensch-Zeymer“. Zwei Mitarbeiter, ein Lehrling und eine Praktikantin arbeiten an den sechzehn historischen Webstühlen im „aktiven Museum“ zu Geltow. Angeleitet von Ulla Schünemann, entstehen so Stoffe aus Leinen, Wolle und Seide, Möbelbezüge, Tischwäsche, Gardinen und die „altbewährten Gerstenkornhandtücher“.
Seit 1939 gibt es diesen weithin anerkannten Webhof, seit 1987 gehört er der jetzigen Inhaberin, die ihr Handwerk von der Namenspatronin erlernte. Ihr zu Ehren veranstaltet man seit zwei Jahren in Geltow, Am Wasser 19, Festwochen mit Modenschauen, Ausstellungen und einigen Extras. Wer in diesem Jahr noch Keramik von Bollhagen, Porzellan von Raupach oder Papierschmuck von Carola Fiedler ansehen möchte, muss sich beeilen, denn am Sonntag ist Ultimo.
Aber das sehenswerte Museum und die verkaufsoffenen Räume, wo es nie Konfektion von der Stange gibt, der Websaal mit den uralten mechanischen Maschinen können auch sonst zum minimalen Eintrittspreis bestaunt werden. Führungen und Kurse werden angeboten. Das Schau-Weben ist sowieso ein Hit, denn hier entsteht unter den Augen der Besucher sozusagen schöne Materie, die sich kuschelweich anfühlt und auch dem Auge wohltut.

Bevor aber die Lade ächzt und der Schuss flottieren kann, bedarf es langer Vorbereitungen, denn in mühsamer Kleinarbeit muss zuerst mal alles eingefädelt werden. Eine verwickelte Sache; die Weberei geht dann schneller. Fehler dürfen nicht passieren, sonst wird ausgeschnitten und nachgewebt, bis das Auge nichts mehr davon sieht.
Eine uralte Kunst, schon der Erdgeist im „Faust" hat sie betrieben: „Ein wechselnd Weben, ein glühend Leben: So schaff ich am sausenden Webstuhl der Zeit...“ - und jedes Spinntier kann es genauso, nicht nur Meister Langbein.

Ulla Schünemann, in Geltow aufgewachsen, war mit ihrem Betrieb, der derzeit acht Mitarbeiter zählt, schon zu DDR-Zeiten eine gute Adresse, in „Kunstgewerbe-Läden“ und anderswo. Seit 1998 steht sie „vollkommen auf eigenen Beinen“, und durch den Rat einer Westberlinerin entstand dann um 2000 das Museum in seiner jetzigen Gestalt. Die resolute Chefin führt den Besucher gerne herum, erklärt, wie man die Muster einfädelt und was es mit Kettfäden und Webkanten auf sich hat, streichelt den hochbetagten Jacquard-Webstuhl im Vorbeigehen, webt dem staunenden Auge mit Leichtigkeit etwas vor, erzählt, wie Kinder erst lernen mussten, das Handgewebte aus Geltow auf bloßer Haut zu tragen, damit man's auch fühlt. „Ich webe nur, was mir auch selber gefällt. Merkwürdigerweise ist es auch das, was dann gerne gekauft wird“, sagt sie. Gibt es ein besseres Gütemerkmal?

Professionalität und Profession vereinigen sich also in Ulla Schünemann, beim Weben wie beim Schneidern, im Verkaufsgespräch oder während der lehrreichen Führungen durchs Haus, das vorne Kate, hinten ein umgebauter Gaststättensaal ist. Handarbeit ist in und mit Tradition, der Computer dient höchstens der Kundenkartei und betrieblicher Korrespondenz. Völlig absurd, ihr Gewerk gegen moderne Maschinen einzutauschen!

Im Hof gibt eine Birke Schatten, ein japanisches Brombeer-Gewächs reift seine Früchte, es ist angenehm hier. „Henni wäre ganz zufrieden“, sagt die Chefin, „ich habe ihre Tradition fortgesetzt“, und zwar bereits in der dritten Generation.


Artikel von Gerold Paul zitiert nach Potsdamer Neueste Nachrichten vom 21. 07. 2006