Handweberei "Henni Jaensch-Zeymer" Inh. Ulla Schünemann


Inhaberin Ulla Schünemann

Die Handweberei Geltow im Spiegel der Medien

Schlichtheit, Strenge, neue Farben

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Die Bekleidungskollektionen aus der Handweberei Geltow finden immer mehr Anhänger

Die Bekleidungskollektionen aus der Handweberei Geltow finden immer mehr Anhänger Schwielowsee · Geltow - Zukunftspläne gibt es noch einige, doch Ulla Schünemann kann sich ein klein wenig zurücklehnen: Der wirtschaftliche Durchbruch für die Handweberei Geltow ist geschafft. „Auf diesem Fundament kann man aufbauen“, freut sich die Inhaberin. Fünf Beschäftigte – Weberinnen und Maßschneiderinnen – stehen hier in Lohn und Brot, unterstützt von der Potsdamer Modedesignerin Frauke Wedler. Nichts Selbstverständliches, wenn man auf die nicht immer leichten, vergangenen Jahre zurück blickt. „Das klappte nur, weil Leute bereit waren, in Vorleistung zu gehen, um sich eine Existenz aufzubauen“, sagt Ulla Schünemann heute. Ihre Vorgängerin Henni Jaensch-Zeymer hätte ihre Freude an der jüngsten Entwicklung gehabt, ist sich Schünemann sicher. Die Handwebermeisterin, die die Werkstatt in Geltow 1939 gründete, wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Nachdem man sich in den komplizierten Nachwendejahren mit ABM-Mitteln und Fördergeldern notdürftig über Wasser halten konnte, musste der Betrieb seit 1998 wieder wirtschaftlich auf eigenen Füßen stehen. Ulla Schünemann vertraute ihrem Gefühl und verließ nie die zeitlos-natürliche Linie, mit der Henni Jaensch-Zeymer Handgewebtes aus Geltow berühmt machte. Beständigkeit, Schlichtheit und Strenge wurden um eine Komponente bereichert: die Farbe. Leuchtendes Blau, Rot und Grün ist heute zwischen erdigen Leinentönen verwebt. Das man sich trotz einiger Avancen nicht vom Zeitgeist versklaven ließ, hat sich ausgezahlt: Auf die Treue von etwa 600 Stammkunden aus ganz Deutschland kann sich Schünemann inzwischen verlassen. Die Geltower Textilien finden immer mehr Freunde und Abnehmer. Statt bislang eins wurden in diesem Jahr zum Beispiel bereits drei Hochzeitspaare für den wichtigsten Tag im Leben ausstaffiert. Anders als in vielen Boutiquen setzt man auch auf die Herren der Schöpfung – und hat damit wohl eine Marktlücke entdeckt: Legere Maßbekleidung für den Mann macht inzwischen 50 Prozent des Geschäftes der größten Handweberei Deutschlands aus. „Naturverbundene und bodenständige Menschen, gebildet aber nicht abgehoben“– so beschreibt Schünemann ihre wachsende Kundschaft. Die Preise für die handgefertigten Unikate – 175 Euro für ein Herrenhemd, 165 für die Weste oder 580 für das in diesem Jahr besonders gefragte Sakko – können die Fans nicht schrecken. „Für viele unserer Kunden werden diese Dinge zu Lieblingssachen, die auch nach zehn Jahren noch getragen werden können“, weiß Ulla Schünemann. Dopplungen sind quasi ausgeschlossen – von den meisten Stoffen werden nur ein paar Meter gewebt. In der Handweberei findet sich dennoch auch nach Jahren die Möglichkeit, ein Ergänzungsstück mit passender Farbe oder Muster zu finden. Trotz des Erfolgs sind Wünsche offen. An den 200 Jahre alten Webstühlen ließen sich auch acht statt drei Weberinnen beschäftigen, die kleine Schneiderstube könnte in ein ausgebautes Obergeschoss der Werkstatthalle ziehen. Ein Innenarchitekt könnte einbezogen werden, um die Produktion der Wohnraumtextilien auszubauen. Tischwäsche und ein paar Bekleidungsklassiker könnten deutschlandweit in ausgewählten Boutiquen verkauft werden. Doch Schünemann will nichts überstürzen. Behutsam wie ihre Vorgängerin spinnt sie die Netze. Vom vorigen bis nächsten Sonnabend ist Henni Jaensch-Zeymer eine Festwoche gewidmet – Gelegenheit, die Erzeugnisse der Handweberei und ihre Herstellung kennen zu lernen. Mit alter Musik und Lesung am vorigen Sonnabend und Gesang und Harfe am nächsten Freitag (18 Uhr) nimmt Schünemann auch eine andere Tradition ihrer Lehrerin wieder auf: Kleine Musikveranstaltungen im urwüchsig-gemütlichen Hof der Weberei.


Text des Artikels zitiert nach Potsdamer Neueste Nachrichten vom 19. 07. 2004