Handweberei "Henni Jaensch-Zeymer" Inh. Ulla Schünemann


Inhaberin Ulla Schünemann

Die Handweberei Geltow im Spiegel der Medien

Schlichtheit als Prinzip

zurück zu den Pressestimmen

Geltow und Handweberei ehren Henni Jaensch-Zeymer

Am Sonnabend wäre sie hundert Jahre alt geworden: Henni Jaensch-Zeymer, Geltows berühmte Weberin. Mit einer Kranzniederlegung auf dem hiesigen Friedhof ehrten Freunde, Kollegen und Nachbarn die 1998 verstorbene Handwerkerin. „Eine einzigartige Frau, sie hat den Ort bekannt gemacht. Und obwohl sie sich nie als Künstlerin bezeichnete, war ihre Arbeit Kunst“, gedachte Ortsbürgermeister Heinz Ofcsarik.

1939 eröffnete Henni Jaensch in einem ehemaligen Gasthof an der Geltower Havel ihre Werkstatt, aus Platzgründen war sie von Rangsdorf hier her gezogen. „Stillstand hatte es nie gegeben, selbst während des Kriegs wurden Pakete mit Stoffen verschickt“, weiß Ulla Schünemann. Sie wuchs hier auf, ihre Mutter war Freundin und Mitarbeiterin der Webermeisterin. Seit 1987 leitet Ulla Schünemann den Betrieb, musste nach der Wende gewissermaßen noch einmal von vorn anfangen: Mit der Währungsunion kam das Aus, fast alle Mitarbeiter wurden entlassen. Doch der Durchbruch wurde geschafft: 1992 wurde das Webereimuseum eröffnet. „Die Gäste hatten immer wieder gefragt, ob sie die ausgestellten Muster auch kaufen könnten.“ Daraufhin wurden die alten Webstühle wieder in Betrieb genommen, und heute steht die Produktion wieder an erster Stelle – der Geltower Betrieb ist die größte Handweberei Deutschlands.

„Gelobt hat Henni Jaensch uns sehr selten“, erinnert sich die heutige Chefin. In den Augen Fremder sei sie zuweilen ein rauer Mensch gewesen. Wohl nur Kollegen und Freunde kannten auch den weichen Kern, haben das Herzliche gesehen. Regelmäßig fanden sich Persönlichkeiten wie Karl Förster, Christa Wolf oder Hedwig Bollhagen zu Gesprächen in Geltow ein. Ihre Weltoffenheit mag den Nachbarn anfangs befremdlich erschienen sein, sie wurde gar als „die Spinnerin“ bezeichnet. „Eine selbstständige und allein stehende Frau – das passte hier nicht so recht rein.“ Doch spätestens mit der Eröffnung des Webereimuseums sei ein allgemeines Interesse aufgekommen. Heute seien die Geltower stolz auf ihre Weberin, sagt auch der Ortsbürgermeister.

„Es geht auch ohne“, diesen Satz habe sie oft gebraucht. „Man kann zurückhaltend leben und dennoch zufrieden sein“, interpretiert Ulla Schünemann. Ähnlich habe sie gearbeitet: Durch die Kunst des Weglassens – keine übermäßigen Muster, schlichte Farben – seien die Webereierzeugnisse von zeitloser Schönheit. Dieses Prinzip wird in Geltow beibehalten: „In jedem Stück steckt ein bisschen Henni Jaensch.“ Neben den traditionellen Erzeugnissen, wie Tischdecken und Gardinen, wird heute auch attraktive und äußerst stilvolle Bekleidung aus gewebten Stoffen geschneidert. Die Präsentationen auf Modenschauen ließ die deutsche Modewelt wiederholt aufhorchen.


Artikel von Thomas Lähns zitiert nach Postdamer Neueste Nachrichten vom 09. 02. 2004