Handweberei "Henni Jaensch-Zeymer" Inh. Ulla Schünemann


Inhaberin Ulla Schünemann

Die Handweberei Geltow im Spiegel der Medien

Handweberei in Geltow

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Henni Jaensch-Zeymer und der Weberkuss

Bei dem Objekt handelt es sich um den ehemaligen Dorfgasthof (Thomanns Gasthof), der heute eine Handweberei enthält. Es besteht aus dem älteren Wohnhaus und späterem Saalanbau.

Geschichte

Quelle Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland – Denkmale in Brandenburg, Landkreis Potsdam-Mittelmark, Nördliche Zauche Band 14.1

Ein Krug in Geltow wird bereits 1450 erwähnt, unklar ist jedoch, ob er sich an diesem Standort befand. Das Wohnhaus wurde um 1750 errichtet, möglicherweise bereits als Dorfkrug, der Saal wurde 1870 angefügt. 1939 wurde das Anwesen von Henni Jaensch-Zeymer (1904 – 1998) erworben, die von 1926 bis 1932 in der Kunsthandwerkerkolonie Gildenhall bei Neuruppin gelebt und eine Handweber-Lehre bei der Bauhaus-Schülerin Else Mögelin absolviert hatte. Sie richtete im Saalanbau eine Werkstatt mit Webstühlen aus dem 17. und 18. Jahrhundert ein; hergestellt wurden Wolldecken, Wollstoffe, Möbelbezugsstoffe, Gardinen, Leinentischtücher, Baumwollstoffe u. a. Bis zur Wendezeit wurde der Betrieb privat geführt, die Aufträge gingen sodann gänzlich zurück. Aber bereits 1992 öffnete die Handweberei wieder als Museum; mit den Webstühlen wird noch heute produziert. 1995 wurde der Ausstellungsraum saniert, der Werkstattraum erhielt neue Fenster.

Volkskundliche und baugeschichtliche Bedeutung

Quelle: Denkmalbegründung vom 24.06.1992 und Ergänzung vom 20.07.1993 Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum

Der linke, ältere Teil ist mit seiner weitgehend erhaltenen inneren Struktur ein Beispiel für ein Dorfhaus des frühen 19. Jahrhunderts. Es handelt sich um einen eingeschossigen, verputzten Ziegelbau von fünf Achsen Breite mit traufständigem Satteldach. Die aus der Bauzeit erhaltene Haustür befindet sich nach barocker Tradition in der Mittelachse. Auch die Fenster und die Fensterläden stammen noch aus dem 19. Jahrhundert. Ursprünglich besaß das Haus einen doppelt stehenden Dachstuhl. Dieser wurde mehrfach verändert (vermutlich im Zusammenhang mit dem Ersetzen der weichen durch eine harte Deckung). Vorhanden sind im Dachboden die Fachwerk-Trennwand und die Räucherkammer mit Originaltür, im Haus selbst diverse alte Innentüren und ein kleiner Keller (ursprünglich wohl flachgedeckt, erhielt später Preußische Kappen).
Im anschließenden jüngeren Saalbau aus gelblichen Ziegeln befanden sich vorn die Gaststube, dahinter der Gasthaussaal mit ehemals offenem Dachstuhl. Später wurde eine Zwischendecke eingezogen. Zur Straße tritt dieser Trakt als dreiachsiger Putzbau in Erscheinung. Erhalten sind aus der Bauzeit die Türen, Bodendielen, der Keller mit Preußischen Kappen sowie Fenster mit Originalscheiben. Heute befindet sich im hinteren Saal eine reichhaltige Sammlung von Webstühlen aus verschiedenen Jahrhunderten und Regionen.

Städtebauliche und historische Bedeutung

Quelle: Denkmalbegründung vom 24.06.1992 und Ergänzung vom 20.07.1993 Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum

Das Haus gehört zu denjenigen Bauten, die das dörfliche Erscheinungsbild des Geltower Ortskerns mitprägen. Der angebaute Gasthaussaal dokumentiert den Aufschwung während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zusammenhängend mit der Bedeutung Geltows als Ausflugsziel. Der ausgedehnte rückwärtige Garten stellt die Verbindung zur umgebenden Landschaft her.
Die Handweberei Geltow, Am Wasser 19 (Dorfhaus, Gasthaussaal und Webstühle/Geräte) ist aufgrund ihres volkskundlichen und baugeschichtlichen, städtebaulichen und historischen und produktionsgeschichtlichen Wertes Denkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes für das Land Brandenburg.

Der Vorgang des Handwebens ist seit Jahrhunderten nahezu unverändert überkommen. Auf dem Handwebstuhl sind die Kettfäden auf einem Kettbaum aufgewickelt und als parallel nebeneinander verlaufende Fäden zum Zeugbaum gespannt. Zwischen diesen beiden walzenförmigen Bäumen befinden sich hölzerne Rahmen, sogenannte Schäfte mit senkrechten Hebeschnüren, durch deren Ösen die Fäden geführt werden. Durch eine mit Fußkraft ausgelöste, ständig wechselnde Gegenbewegung, d. h. Heben und Senken der Schäfte, werden die Kettfäden voneinander abgehoben. Es entstehen parallelogrammförmige Zwischenräume, sogenannte Fache, durch die der hölzerne Schütz mit der Hand hindurchgetrieben wird. Nach jedem Durchschuss wird der eingelegte Schussfaden durch die pendelnd aufgehängte Lade mit dem Weberkamm an das bereits fertige Gewebe angeschlagen.
Das so hergestellte Gewebe besteht aus sich rechtwinklig kreuzenden Fäden. Die in der Längsrichtung des Gewebes verlaufenden Fäden heißen Kette, die quer verlaufenden Schuss. Muster lassen sich im Prinzip aus den Grundverbindungen ableiten.

Produktionsgeschichtliche Bedeutung

Quelle: Denkmalbegründung vom 24.06.1992 und Ergänzung vom 20.07.1993 Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum

Die Kunst des Webens hatte schon im Altertum eine hohe Entwicklungsstufe erreicht. Der Handwebstuhl hat wegen seiner vielgestaltigen und individuellen Musterungsmöglichkeiten bei kleinsten Auflagen, insbesondere für das Kunsthandwerk, heute noch große Bedeutung.
Die aus verschiedenen, teilweise osteuropäischen Ländern stammenden Webstühle dokumentieren die Entwicklungsgeschichte des europäischen Webstuhlbaues über einen Zeitraum von etwa 300 Jahren. Ihre zum Teil archaische Konstruktion und die mit modernen Maschinen nicht nachvollziehbaren Wirkprinzipien dieser Webstühle lassen nahezu unikate kunsthandwerkliche Gewebe entstehen.

Die Konzentration von heute 16 Handwebstühlen mit peripheren Gerätschaften in einer kunsthandwerklich betriebenen Handweberei ist in Deutschland einmalig. Heute ist die Handweberei der Frau Henni Jaensch-Zeymer aktives Museum. Frau Ulla Schünemann leitet den Webhof als Handwebmeisterin seit 1987. Wer etwas Besonderes erleben möchte, kann bei einer Führung viel Interessantes über die Handweberei und die Geschichte des Webhofes erfahren und den ältesten der Webstühle „Den Dreihundertjährigen“ bestaunen.


Näheres können Sie untere folgender Internetseite erfahren: www.handweberei-geltow.de. Es steht kleinen Gruppen auch ein Raum für Vorführungen zur Verfügung. Im Weberladen können Produkte käuflich erworben werden. Gern hilft Ihnen auch die untere Denkmalschutzbehörde weiter.


Artikel von Untere Denkmalschutzbehörde zitiert nach Denkmal online Potsdam-Mittelmark vom 01. 07. 2010